Wurstlikon

Wurstlikon

Speisen & Getränke am Würstelstand

Klassiker am Standl — von traditionellen Würsten und knusprigem Gebäck über scharfe Beilagen bis zum eiskalten Blechweckerl.

Zwischen Frack, Blaumann und Rollkoffer: Wo ganz Wien zusammensteht

Am Würstelstand gilt das ungeschriebene Gesetz vollkommener Gleichheit — quer durch alle Schichten, Kulturen und Lebenswelten. Um zwei Uhr früh lehnt der Operngast im Frack an demselben Stehpult wie die Taxifahrerin nach ihrer Schicht, die Nachtschwärmerin aus dem Club und der Tourist mit dem Rollkoffer, der mit großen Augen die dampfende Vitrine bestaunt. Während der Wiener Stammgast seinen Hunger routiniert in wenigen knappen Mundart-Worten deponiert, deutet der Gast von weit her neugierig auf das heiße Blech und lässt sich mit Geduld und Wiener Schmäh erklären, was eine Eitrige von einer Burenwurst unterscheidet. Hier gibt es keine Trennung zwischen Haute Couture und Arbeiterklasse, zwischen Einheimischen und Reisenden: Unter dem warmen Licht des Vordachs teilen sich alle denselben Pappteller, denselben Senfklecks und die Freude an ehrlicher Wiener Straßenküche.

Die Anatomie einer Bestellung

Die Bestellung folgt einer rhythmischen Choreografie aus Wurst, Gebäck und Schärfe. Kaum jemand bestellt einfach nur eine Wurst — der Charakter der Mahlzeit entscheidet sich am Rand des Papptellers:

Beispiele einer Bestellung

  • Die Eitrige mit am Bugl und am Schoarfen: Die gegrillte Käsekrainer mit knusprigem Brotanschnitt (Kantn oder Bugl), scharfem Estragonsenf und einem knackigen Krokodü (Essiggurkerl) oder dem feurigen Oaschpfeiferl (scharfer Pfefferoni).
  • A Poar Glatte mit Semmel und Kren: Heiß dampfende Frankfurter frisch aus dem Kessel, serviert mit einer reschen Kaisersemmel oder Langsemmel und einer großzügigen Portion frisch gerissenem Kren, der sofort in die Nase steigt.
  • Die Haaße mit am G’schissenen: Die derbe, gebrühte Burenwurst, traditionell kombiniert mit einer dicken Scheibe Schwarzbrot und mildem, süßlichem Kremser Senf.
  • Die Bosna im knusprigen Weckerl: Würzige Grillwürstel im getoasteten länglichen Gebäck, gebettet auf gehackten Zwiebeln, Petersilie und geheimnisvoll duftendem Curry-Gewürz.

Was dazu getrunken wird

Gezapft wird am Wiener Stand praktisch nie. Das Bier zischt eiskalt aus der Dose — das berühmte Blechweckerl, allen voran das 16er Blech aus Ottakring — oder kommt als geköpfte Glasflasche über das Standlpult. Wer es leichter mag, greift zum Weißen Spritzer oder zu nostalgischen Limonaden wie Almdudler und Frucade. An traditionsreichen Knotenpunkten wie dem Albertinaplatz gehört auch gekühlter Champagner zum Repertoire, wenn die Noblesse nach der Vorstellung zum Stehtisch strömt. Und zum Abschied vor dem Heimweg wandert nicht selten ein Magenbitter aus der Westentasche — ein kurzer Schluck Jägermeister oder Leibwächter als standesgemäßer Abschluss.

Übersicht der gängigen Speisen, Getränke und deren Zubehör

Woifal als Kellner mit Pappteller und 16er Blech
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